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Rechtsanwälte für Patienten e.V.

Aufklärungsfehler

Viele Haftungsfälle in der Gynäkologie und Geburtshilfe beruhen gar nicht auf einer fehlerhaften Behandlung, sondern allein darauf, dass der Arzt seinen Beratungs- und Aufklärungspflichten nicht nachgekommen ist oder dieses jedenfalls nicht beweisen kann.

aa) Aufklärungspflichten vor der Geburt

Schon während der Schwangerenbetreuung hat der Arzt Beratungs- und Aufklärungpflichten. Er muss, wie in den jeweils gültigen Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen, die anamnestischen Daten erheben, den Mutterpass ausstellen und die darin vorgesehenen Untersuchungen vornehmen. Erlangt er Kenntnis von Alkohol-/ Drogen-/ oder Nikotinmissbrauch der Schwangeren oder sonstigen Verhaltensweisen, die mit Gefahren für das Kind verbunden sein können, hat er eine Risikoaufklärungspflicht und sollte diese Aufklärung dokumentieren.

Sind schwere und unheilbare Störungen des Gesundheitszustandes des Kindes zu erwarten, so muss der Arzt hierüber aufklären und auf eine eventuelle Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs so frühzeitig wie möglich hinweisen. Schließlich muss der Arzt bei voraussehbaren Risikogeburten die Schwangere über mögliche operative Eingriffe wie Schnittentbindung aufklären.

bb) Aufklärungspflicht während der Geburt

Der Geburtshelfer muss in den Fällen, in denen neben der normalen vaginalen Entbindung alternativ ein Kaiserschnitt in Betracht kommt (beispielsweise bei Beckenendlage des Kindes oder beim Mißverhältnis zwischen der Kindesgröße und dem mütterlichen Becken) die beiderseitigen Risiken darstellen. Je eindeutiger die Indikation zu der einen oder anderen Geburt ist und je mehr die Zeit drängt, desto kürzer darf sich der Arzt bei der Aufklärung fassen. Ist kein Aufklärungsgespräch mehr möglich und hat die Schwangere auch keine Patientenvollmacht erteilt, muss von ihrem mutmaßlichen Willen ausgegangen werden.

Da dem Arzt der Beweis für die erfolgte Aufklärung obliegt, ist ihm eine Dokumentation anzuraten. Er sollte einen Vermerk in den Behandlungsunterlagen eintragen, der die wesentlichen Inhalte der Aufklärung, die gegebenen Hinweise, Ratschläge, Wiedervorstellungstermine, Hinweise über mögliche Geburtskomplikationen, Dringlichkeit für operative Eingriffe, Vorteile und Nachteile der Geburtsweise und anschließende Entscheidung der Schwangeren beinhalten. Bei Aufklärungen und Entscheidungen während des Geburtsverlaufes ist die Uhrzeit mitanzugeben.

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